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Einwohner Sendenhorsts deckten sich mit Korn ein

Von Alfred M e f u s

Sendenhorst war früher weit über die Grenzen des Münsterlandes hinaus als die Stadt mit den zwölf Kornbrennereien bekannt.
Heute befindet sich im Ortskern keine einzige mehr.
Interessant ist auch, daß heute von den drei ausserhalb der geschlossenen Ortslage gelegenen Brennereien eine bedeutend größere Menge Alkohol hergestellt wird, wie seinerzeit zusammen von allen zwölf "Fuselstöärkern", wie die Schnapsbrenner scherzhaft im Volksmund genannt wurden.
Doch soll zunächst die geschichtliche Entwicklung aufgezeigt werden.

Die "Geschichte der deutschen Kornbrennereien", herausgegeben von der Fachgruppe Kornbrennereien der Wirtschaftsgruppe Spiritusindustrie (Berlin W. 1936) gibt darüber wie folgt Auskunft: "Die Ahnen des Kombrenners waren deutsche Bauern in den Getreidegegenden Deutschlands.
Die ersten Kombrennereien waren landwirtschaftliche, mit dem Bauernhof eng verbundene Betriebe.
Für die Bauern war die Kornbrennerei die notwendige Fortsetzung ihres landwirtschaftlichen Betriebes, ein Mittel zur Verwertung des Ernteüberschusses und vor allem ein Mittel zur Erzeugung des Kraftfuttermittels Schlempe.
Die Branntweingewinnung war Nebensache."

Wann in Sendenhorst die erste Brennerei entstanden ist, läßt sich heute schwerlich feststellen. In der Akte Commissionis des KriegsCommissari Kurlbaum betreffs Lage und Gewerbe, Verhältnis der Städte und Wigbolde des Erbbistums Münster wird über Sendenhorst unter dem 2. April 1803 u.a. geschrieben:
"Es befinden sich hier überhaupt nur drei BrandweinBrenner, welche nur allein im Winter. Einer dieser BrandweinBrenner, der Colon und Buerger Suergeist (heute Tergeist) wohnt außerhalb der Stadt nahe dem Tore".
Weiter ist in dem Bericht vermerkt: In der Nähe wohnt keiner, der Brandwein brennt.
Der nächste Brandweinbrenner wohnt ein bis eineinhalb Stunde von der Stadt."

Eine Statistik aus dem Jahre 1816 weist bereits vier Brennereien auf Diese waren Suergeist (Tergeist), Brüning (später Roetering/ Gaßner), Böcker (später Tribus) und Frede. In den nächsten Jahrzehnten folgten dann ArensSommersell, BeumerJönsthövel, Böcker-Lainck, Vissing, Bonse, Everke, Elmenhorst, Panning, Silling (Oststraße), Silling (Weststraße), Suermann, Topp-Herweg, Wieler-Ridder, Werring-Löbker, Homann-Telges, Horstmann-Rhemen, Werring-Zurmühlen und Graute-Hesse.

Zuletzt bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts hinein waren es zwölf Brennereien (Arens-Sommersell, Werring, Horstmann, Everke, Bonse, Hankmann, Kersting (Hallermann), Silling (Oststraße), Silling (Weststraße), Graute, Roetering-Gaßner und Jönsthövel), die im Durchschnitt jährlich 3360 hl, Alkohol produzierten.
Diese HektoliterMenge ausschließlich aus 32 prozentigem Korn verschnitten, ergab die stolze Zahl von 1 oo8 ooo Liter Korn.

Als 1945 der Einmarsch der alliierten Truppen erfolgte, soll sich auch eine große Menge Alkohol in Sendenhorst auf Lager befunden haben.
Die Einwohnerschaft hat in den letzten Tagen vor dem Einmarsch noch schnell die Gelegenheit wahrgenommen, und sich reichlich mit einem Alkoholvorrat eingedeckt; dabei soll milchkannenweise die zu der Zeit sehr kostbare, streng bewirtschaftete und rationierte Flüssigkeit nach Hause transportiert worden sein.
Am meisten war der Sendenhorster Korn unter der Bezeichnung "Aollen Kloarn ut Sennhorst" bekannt, aber die einzelnen Brennereien hatten teils andere Bezeichnungen für ihre Hausmarken gewählt wie manches alte FlaschenEtikett beweist.
Begehrt war stets der Schnaps von dem sogenannten "PoatersFättken", aus dem in bestimmten Brennereien nur bei besonderen Anlässen eingeschenkt wurde.

Als noch nicht bei der Brennweinherstellung entsprechende Reinigungsgeräte zur Verfügung standen, war der Schnaps noch nicht von dem Fuselöl so leicht zu trennen wie heutzutage.
Das Branntweinerzeugnis wurde deshalb vielfach als "Fusel" bezeichnet.
An ihn erinnert in Sendenhorst ein Pättken, das "Fuselpättken", ein schmaler Verbindungsweg zwischen Schlabberpohl und Südgraben.

Früher bestand auch von Seiten der Zollverwaltung in Sendenhorst eine eigene Zollaufsicht.
Von den in Sendenhorst wohnhaften Beamten ist Anton Hartmann noch bei vielen in Erinnerung; das gleiche gilt für die Zollbeamten Heydt und Kleideiter.

Aber auch wirtschaftlich gesehen war die Branntweinherstellung für Sendenhorst von nicht unerheblicher Bedeutung, zumal die Kornbrennereien selbst und die zwangsläufig mit ihr verbundenen landwirtschaftlichen Betriebe zahlreichen Familien Arbeit und Brot gaben , wovon auch das bodenständige Handwerk profitierte .
Seit alters her ging ein Gläschen von dein "aollen Kloarn" in froher Runde um.

In der Erntezeit schenkte der Bauer den Helfern einen "Kloarn" ein, ebenso beim Dreschen des eingefahrenen Getreides.
Im Baugewerbe sprach man von dem "Kluck", und der Bergmann trank nach der Schicht zu Hause" 'halben".
Auch im alltäglichen und häuslichen Leben spielte der Korn eine nicht unwesentliche Rolle. Er galt als, Willkommenstrunk für Gäste, half bei guten Mahlzeiten gegen Magenbeschwerden und war als Hausmittel bei Zahnschmerzen und als Vorbeugungsmittel in Gebrauch.

Heute sind in den Bauerschaften noch drei Brennereien in Betrieb (Werring in Elmenhorst, Horstmann in Ringhöven und Arens-Sommersell auf der Hardt).

Einwohner Sendenhorsts deckten sich mit Korn ein

Von Alfred M e f u s

Sendenhorst war früher weit über die Grenzen des Münsterlandes hinaus als die Stadt mit den zwölf Kornbrennereien bekannt.
Heute befindet sich im Ortskern keine einzige mehr.
Interessant ist auch, daß heute von den drei ausserhalb der geschlossenen Ortslage gelegenen Brennereien eine bedeutend größere Menge Alkohol hergestellt wird, wie seinerzeit zusammen von allen zwölf "Fuselstöärkern", wie die Schnapsbrenner scherzhaft im Volksmund genannt wurden.
Doch soll zunächst die geschichtliche Entwicklung aufgezeigt werden.

Die "Geschichte der deutschen Kornbrennereien", herausgegeben von der Fachgruppe Kornbrennereien der Wirtschaftsgruppe Spiritusindustrie (Berlin W. 1936) gibt darüber wie folgt Auskunft: "Die Ahnen des Kombrenners waren deutsche Bauern in den Getreidegegenden Deutschlands.
Die ersten Kombrennereien waren landwirtschaftliche, mit dem Bauernhof eng verbundene Betriebe.
Für die Bauern war die Kornbrennerei die notwendige Fortsetzung ihres landwirtschaftlichen Betriebes, ein Mittel zur Verwertung des Ernteüberschusses und vor allem ein Mittel zur Erzeugung des Kraftfuttermittels Schlempe.
Die Branntweingewinnung war Nebensache."

Wann in Sendenhorst die erste Brennerei entstanden ist, läßt sich heute schwerlich feststellen. In der Akte Commissionis des KriegsCommissari Kurlbaum betreffs Lage und Gewerbe, Verhältnis der Städte und Wigbolde des Erbbistums Münster wird über Sendenhorst unter dem 2. April 1803 u.a. geschrieben:
"Es befinden sich hier überhaupt nur drei BrandweinBrenner, welche nur allein im Winter. Einer dieser BrandweinBrenner, der Colon und Buerger Suergeist (heute Tergeist) wohnt außerhalb der Stadt nahe dem Tore".
Weiter ist in dem Bericht vermerkt: In der Nähe wohnt keiner, der Brandwein brennt.
Der nächste Brandweinbrenner wohnt ein bis eineinhalb Stunde von der Stadt."

Eine Statistik aus dem Jahre 1816 weist bereits vier Brennereien auf Diese waren Suergeist (Tergeist), Brüning (später Roetering/ Gaßner), Böcker (später Tribus) und Frede. In den nächsten Jahrzehnten folgten dann ArensSommersell, BeumerJönsthövel,
Böcker-Lainck, Vissing, Bonse, Everke, Elmenhorst, Panning, Silling (Oststraße), Silling (Weststraße), Suermann, Topp-Herweg, Wieler-Ridder, Werring-Löbker, Homann-Telges, Horstmann-Rhemen, Werring-Zurmühlen und Graute-Hesse.

Zuletzt bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts hinein waren es zwölf Brennereien (Arens-Sommersell, Werring, Horstmann, Everke, Bonse, Hankmann, Kersting (Hallermann), Silling (Oststraße), Silling (Weststraße), Graute, Roetering-Gaßner und Jönsthövel), die im Durchschnitt jährlich 3360 hl, Alkohol produzierten.
Diese HektoliterMenge ausschließlich aus 32 prozentigem Korn verschnitten, ergab die stolze Zahl von 1 oo8 ooo Liter Korn.

Als 1945 der Einmarsch der alliierten Truppen erfolgte, soll sich auch eine große Menge Alkohol in Sendenhorst auf Lager befunden haben.
Die Einwohnerschaft hat in den letzten Tagen vor dem Einmarsch noch schnell die Gelegenheit wahrgenommen, und sich reichlich mit einem Alkoholvorrat eingedeckt; dabei soll milchkannenweise die zu der Zeit sehr kostbare, streng bewirtschaftete und rationierte Flüssigkeit nach Hause transportiert worden sein.
Am meisten war der Sendenhorster Korn unter der Bezeichnung "Aollen Kloarn ut Sennhorst" bekannt, aber die einzelnen Brennereien hatten teils andere Bezeichnungen für ihre Hausmarken gewählt wie manches alte FlaschenEtikett beweist.
Begehrt war stets der Schnaps von dem sogenannten "PoatersFättken", aus dem in bestimmten Brennereien nur bei besonderen Anlässen eingeschenkt wurde.

Als noch nicht bei der Brennweinherstellung entsprechende Reinigungsgeräte zur Verfügung standen, war der Schnaps noch nicht von dem Fuselöl so leicht zu trennen wie heutzutage.
Das Branntweinerzeugnis wurde deshalb vielfach als "Fusel" bezeichnet.
An ihn erinnert in Sendenhorst ein Pättken, das "Fuselpättken", ein schmaler Verbindungsweg zwischen Schlabberpohl und Südgraben.

Früher bestand auch von Seiten der Zollverwaltung in Sendenhorst eine eigene Zollaufsicht.
Von den in Sendenhorst wohnhaften Beamten ist Anton Hartmann noch bei vielen in Erinnerung; das gleiche gilt für die Zollbeamten Heydt und Kleideiter.

Aber auch wirtschaftlich gesehen war die Branntweinherstellung für Sendenhorst von nicht unerheblicher Bedeutung, zumal die Kornbrennereien selbst und die zwangsläufig mit ihr verbundenen landwirtschaftlichen Betriebe zahlreichen Familien Arbeit und Brot gaben , wovon auch das bodenständige Handwerk profitierte .
Seit alters her ging ein Gläschen von dein "aollen Kloarn" in froher Runde um.

In der Erntezeit schenkte der Bauer den Helfern einen "Kloarn" ein, ebenso beim Dreschen des eingefahrenen Getreides.
Im Baugewerbe sprach man von dem "Kluck", und der Bergmann trank nach der Schicht zu Hause" 'halben".
Auch im alltäglichen und häuslichen Leben spielte der Korn eine nicht unwesentliche Rolle. Er galt als, Willkommenstrunk für Gäste, half bei guten Mahlzeiten gegen Magenbeschwerden und war als Hausmittel bei Zahnschmerzen und als Vorbeugungsmittel in Gebrauch.

Heute sind in den Bauerschaften noch drei Brennereien in Betrieb (Werring in Elmenhorst, Horstmann in Ringhöven und Arens-Sommersell auf der Hardt).
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