Geschichte

Heute experimentiert er wieder mal mit Wein.
Und irgendwann und irgendwie hat er zwar wieder mal kein Gold , aber dafür eine höchst interessante Flüssigkeit hergestellt .
“Kräftiges Stöffchen !”, sagt er sich ,”dieses Verfahren werde ich patentieren , ich werde es Destillation nennen “.
Szenenwechsel : Völlig unbeeindruckt , weil in Unkenntnis dieser epochalen Entdeckung , beackert im Westfälischen ein Bauer sein Feld.

Es ist groß , rechteckig und von Hecken gesäumt .
So etwas nennt man hier einen “Kamp” , und er liegt in der Nähe der kleinen Ansiedlung Sendinhurst .
Unser Bäuerlein trägt den schönen germanischen Namen Thiado oder Theodo , wird aber von seiner Familie und Gesinde nur Deddessconhus geführt .

Sein Anwesen wird daher im Register des nahen Freckenhorst als Deddessconhus geführt .
Vieles spricht dafür , daß sich hieraus im Laufe der Zeit die Bezeichnung Deitkamp entwickelt hat .
Aber leider versinkt zunächst einmal die Hofgeschichte für 500 Jahre im Nebel der Vergangenheit .
Nicht so die Entwicklung des Alkoholbrennens ! Schnell stellte man fest , daß die Entwicklung des Alchemisten medizinischen Wert besaß.

Gebrannter Wein wurde geradezu als Wundermittel angesehen , das gegen alles und jedes half .
Im 15. Jahrhundert kann man schließlich auf den Gedanken , daß man auch aus Bier hochprozentigen Alkohol entwickeln könnte.

Und ein rationell denkender Kopf fragte sich : Warum dann der Umweg über Bier , warum nicht direkt aus Getreide ..... ?
Getreide gab es , gerade in nördlichen Gegenden , reichlicher als Wein .
Zudem eignete sich ein Nebenprodukt des Kornbrennens , die “Schlempe” , hervorragend als Vieh-futter .
Der Erfolg des Kornbranntweins war programmiert.

Aus dem Jahre 1576 ist uns das erste Rezept zur Kornherstellung überliefert , und - Zufall oder tiefere Bedeutung - kurz darauf findet sich in den Annalen der erste zweifelsfreie Nachweis für das Anwesen “Deitkamp” .Am 23. August 1603 nämlich wird das Gut von Ritter Ludeke Ledebur zu Bruchmühlen an die münsterischen Bürgersleute Heinrich und Clara Stille verkauft.

Diese und folgenden Eigentümer versilberten in den unruhigen Zeiten des 17. Jahrhunderts große Teile des Grund und Bodens .
Erst der Adelige Bernhard Heinrich von Blomenfeld , genannt Kerkerinck , kaufte ab 1698 das Land zurück , um den Besitz zu alter Bedeutung zu führen.

Wirtschaftliche Not und Familienzwistigkeiten zwangen jedoch seine Nachfahren dazu, das Gut 1735 an die Familie Zurmühlen aus Münster abzugeben .
Von dieser Zeit erwarb es 1803 der ehemalige fürstbischöfliche Hauptmann Joseph von Rhemen .
Dessen Witwe Charlotte schließlich verkaufte es am 14.Juli 1840 an Anton Horstmann aus Sendenhorst und seine Braut Josephine Suermann.

Eine ähnlich wechselvolle Geschichte wie Haus Deitkamp machte auch die Kornbrennerei durch .
Blütezeiten wechselten mit Brennverboten wegen Mißernten oder Kriegen .
Konkurrenz war aufgekommen durch eine Knolle aus der neuen Welt , denn auch aus dieser “ Kartoffel “ konnte man schon früh ein alkoholisches Destillat gewinnen.

Und natürlich forderte stets die Obrigkeit ihr Teil in Form von Branntweinsteuer. Ursprünglich war das Brennen von Alkohol ein rein städtisches Gewerbe gewesen , erst zu Beginn des 19.Jahrhunderts begann die Ausdehnung der Brennereien in ländliche Gebiete.

So wurden 1831 knapp 70% der 23.000 Brennereien in Preußen auf dem Lande betrieben .
Allein in Westfalen gab es 1.200 reine Kornbrennereien .
Zu dieser Zeit nun fügen sich unsere beiden Geschichten endlich zusammen.

Schon seit etwa 1700 nämlich hatte sich Sendenhorst zu einem Zentrum des Kornbrennens entwickelt .
Grund hierfür war vermutlich die für das Münsterland relativ schlechte Bodenbeschaffenheit .
Da aber die beim Brennen erzeugte Schlempe ein gutes Viehfutter ergab und das Vieh wiederum guten Dünger produzierte , verbesserte man durch diesen Kniff zum einen die Bodenqualität und hatte zum anderen einen ergiebigen Nebenerwerb .
Ein schlagendes Beispiel für Bauernschläue.

Auch Anton Horstmann muß dies eingeleuchtet haben , denn im Jahre 1850 erwarb er für sein Gut Deitkamp die Brennrechte .
Heute brennt die Familie Horstmann in sechster Generation Korn , Mais und Obst in verschiedenen Variationen .
Sie bewirtschaftet mit 2 Mitarbeitern die größte landwirschaftliche Kornbrennerei in Nordrhein-Westfalen mit einem jährlichen Brennrecht von 252.500 Litern reinem Alkohol .

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