Gut gerüstet für die Zukunft

Spätestens seit Inkrafttreten des neuen EU-Spirituosenrechts und insbesondere der Verordnung Nr. 110/2008, die die Begriffsbestimmung und Bezeichnung von Spirituosen sowie den Schutz geografischer Angaben regelt, ist der Name Sendenhorst wieder ein Begriff.
Der kleine Ort im Zentrum des Münsterlandes hat in der neuen Verordnung eine geografische Schutzbezeichnung erfahren, den Sendenhorster Korn.


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Mit diesem Schritt zeigt ein regionaler Erzeuger beispielhaft, wie sich Betriebe für die Zukunft rüsten und auf den drohenden Wegfall des Monopols reagieren.
Der Sendenhorster Korn erinnert an ie große Tradition dieser Kleinstadt m Zentrum des Münsterlandes,
das mit seinen ausgedehnten Getreideanbauflächen lange reich an Kornbrennereien war.
Hier begann die Blütezeit schon um etwa 1700 und fast 20 Betriebe waren über Dekaden hinweg gleichzeitig tätig.
Für Sendenhorst waren sie ein nicht unwesentlicher Wirtschaftsfaktor, zumal die Brennereien selbst und die mit ihnen verbundenen landwirtschaftlichen Betriebe Existenzgrundlage für etliche Familien gaben, wovon auch das bodenständige Handwerk profitierte.
Der Bedeutung der Alkoholherstellung entsprechend hat in Sendenhorst lange eine eigene Zollaufsichtsniederlassung bestanden.
Noch heute erinnert eine kleine Gasse, das „Fuselpättken“, namentlich an diese Frühzeit, als moderne Reinigungsgeräte noch nicht zur Verfügung standen.
(Minderwertige Destillate werden auch heute noch als „Fusel“ bezeichnet.)
 
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Kornbrände waren aus dem alltäglichen und häuslichen Leben nicht wegzudenken.
Ein guter Schluck galt als Willkommenstrunk für Gäste, half bei üppigen Mahlzeiten gegen Magenbeschwerden und war als  Hausmittel bei Zahnschmerzen und als Vorbeugungsmittel in Gebrauch.
Weithin im Münsterland war der Sendenhorster Korn unter der Bezeichnung „Aollen Kloarn ut Sennhorst“ bekannt.
Ein Grund für die Konzentration des Destillathandwerks mag vermutlich die für das Münsterland relativ schlechte  Bodenbeschaffenheit gewesen
sein.
Die Schlempe ergab ein gutes Viehfutter und das Vieh wiederum produzierte guten Dünger.
Neben der verbesserten Bodenqualität hatte man auch einen
ergiebigen Nebenerwerb gefunden.
Lange Familientradition im Jahr 1850 erwarb ein gewisser Anton
Horstmann Brennrechte für seinen Hof und schuf damit die Grundlage für den letzten Betrieb, der noch heute auf Sendenhorster  Boden eigene Produkte vermarktet - und den Begriff des Sendenhorster Korns hat eintragen lassen.
 
Gegenwärtig arbeitet die Familie Horstmann in ungebrochener Folge in fünfter Generation.
Vom Getreideanbau über das Maischen bis zur Destillation wird der gesamte Prozess noch komplett in Eigenregie durchgeführt.
Der heutige Eigentümer Jochen Horstmann begann den traditionellen Weg mit einer Lehre als Destillatbrenner, der dann zwei  Jahre später (1977) der Meistertitel folgte.
Darauf durchlief er noch die zweijährige Ausbildung zum Destillateur, ebenfalls abgeschlossen als Meister (1985).
Im Jahre 1987 erfolgte die Generationsübergabe vom Vater.
In diesen Jahren hat auch die Brennerei eine bemerkenswerte Entwicklung erfahren.
Mit dem Neubau im Jahre 1975 wurde der langfristige Bedarf noch anders eingeschätzt als heute.
Dem Korn und seinen Abkömmlingen wurde eine bessere Zukunft prognostiziert als letztlich eingetreten ist, nicht nur im Münsterland.

So ist die Anlage für eine maximale Kapazität von etwa 6000hl pro Jahr ausgelegt.

In vier Edelstahltanks können je 20000 Liter Maische vergoren werden und die 5,5m hohe Rohbrandkolonne kann 3000 Liter pro Stunde durchsetzen.
 
PARTNERSCHAFT MIT LANDWIRTEN

Begleitend erfolgte ein Zusammenschluss von sieben Landwirten mit ihren Brennrechten.
Diese Partner liefern nach wie vor einen Teil der Rohstoffe und nehmen im Gegenzug die Schlempe als Viehfutter ab -im Gegensatz zu vielfach üblicher Praxis, diese Produktionsrückstände auf die Äcker auszubringen. Als traditioneller Rohstoff für die Spirituosenherstellung füngiert nach wie vor ausschließlich Weizen, während für die Rohalkoholvermarktung auch Mais und Triticale verarbeitet werden.
Das gesamte Material wird auf eigenen Flächen auf Sendenhorster Gemarkung erwirtschaftet.
Pro Kampagne werden bis zu etwa 600 Tonnen Weizen verarbeitet, die auf etwa 70ha Fläche angebaut werden.
Ein weiterer Teil des geschlossenen Produktionskreislaufs ist die Wasserversorgung mittels eigener Bohrbrunnen, die aus mehr als 30m Tiefe eine gleichbleibende Qualität sicherstellen.
Schließlich wird auch die Hefesatzteilung aus Reinzuchthefe selbst vorgenommen.
Bis heute hat sich die Brennerei Horstmann zur größten landwirschaftlichen Kornbrennerei in Nordrhein-Westfalen mit einem jährlichen Brennrecht von 2525 hl Alkohol entwickelt.
Hiervon wird allerdings auch der weit überwiegende Teil in Form von Rohalkohol abgegeben.
Nur etwa 300 hl werden zu Produkten der Marke Horstmann weiterverarbeitet.
Der Rohbrand mit 85% wird dabei in der Brennblase im offenen Branntweinlager auf 96% destilliert, wobei sich die Menge um weitere 25% reduziert, da sowohl der Vorlauf als auch der Nachlauf verworfen werden. Da die Kontingente in den letzten Jahren oft nur 50% bis 60%, betragen haben, wurden Leih-Kontingente erworben, die zum Teil gar aus Süddeutschland akquiriert worden sind.

STETE WEITERENTWICKLUNG

Auf dieser Grundlage werden derzeit 16 Produkte vermarktet.
Eine stetige Weiterentwicklung bringt ein bis zwei neue Variationen pro Jahr hervor.
Der „normale" Weizenkorn als Basisprodukt lagert zwei Jahre im stählernen Lagertank, bevor er manuell abgefüllt oder weiter veredelt wird.
Noch heute wird zu etwa 6% klassischer Korn erzeugt, außerdem etwa 3% als Wacholder, dem zweiten urtümlichen Produkt westfälischer Destillateure.
Wird das Wacholderdestillat durch Mazeration hergestellt, so findet für die weiteren Produkte in Form von Fruchtsaftlikören reiner Muttersaft Verwendung.
Schon seit 1994 werden regelmäßig Spirituosen zur Beurteilung durch die DLG eingereicht und ausgezeichnet.
Der Weizenkorn wurde 2007 mit Gold prämiert, weitere Auszeichnungen wurden für verschiedene Produkte errungen.

Für die Zukunft ist geplant, die Arbeits und Vertriebswege weiter zu optimieren.
Schon derzeit werden Führungen und Schaubrennen veranstaltet, die als weiteres Standbein zur Sicherung des traditionellen Handwerks auf etwa 50 bis 60 Veranstaltungen im Jahr ausgebaut werden sollen.
Eventuell ist geplant, auch Edelobstbrände herzustellen, wofür in eine weitere kleine Anlage zu investieren wäre.

Schon seit 2003 besteht ein Zusammenschluß mit 13 Höfen aus der unmittelbaren Region, die sich der gegenseitigen Vermarktung ihrer Produkte verschrieben haben.
Sollte das Monopol fallen, soll damit erreicht werden, den Anteil der Selbstvermarktung auf 40 bis 50% zu steigern.
Zu einem Teil dieser neuen Strategie, die das Überleben der letzten Markendestillerie in Sendenhorst langfristig sichern soll, gehört eben auch die Sicherung der Namensrechte für eine regionale Spezialität aus der früheren Hochburg münsterländischer Brenntradition.
Die Bezeichnung des Sendenhorster Korns beinhaltet neben dem Ursprung aller Rohstoffe und Herstellungsprozesse besonders die bis zu 10 Jahre andauernde Lagerung im Eichenholzfass.
Sie verleiht dem Sendenhorster Korn der Brennerei Horstmann den typischen Geschmack und Farbe.
Weitere Infos unter www.erlebnisbrennereien-sendenhorst.de
 
 
 
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