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Wegfall des Branntweinmonopols

 

Vater Staat als bisher größter Kunde ist weg. Das Ende des Branntweinmonopols will es so.
Gleichwohl will Jochen Horstmann seine in fünfter Generation betriebene  landwirtschaftliche Korbrennerei nicht einstellen. Er setzt unter anderem auf den Ausbau des Vertriebsnetzes für seine Produkte.
Denn Vater Staat hat bislang mit 90 Prozent den weit überwiegenden Teil des Rohalkohols von Jochen Horstmann gekauft. Alle 14 Tage kam ein Tankwagen der Bundesmonopolverwaltung, um den ungenießbaren Sprit abzuholen und in einen der bundeseigenen Reinigungsbetriebe zu fahren. Im Falle der Brennerei Horstmann war das zuletzt der Betrieb in Wittenberg. Von dort wurde der gereinigte Sprit dann zum Beispiel für die Parfüm-Produktion oder in die Essigwaren-Industrie verkauft.

 

Jochen Horstmann testet seinen Korn. Den wird er auch weiter produzieren und zugleich das Vertriebsnetz ausbauen. Foto: Josef Thesing

 

 

 

 

 

Damit ist nun Schluss. Wie viele andere landestypischen Besonderheiten hat die Europäische Union auch dieses Monopol in die Knie gezwungen. Dabei ging es zuletzt nicht einmal mehr um unfassbar viel Geld für die kleinen und mittelständischen landwirtschaftlichen Brennereien und Obstdestillierer: 80 Millionen Euro.

Die fehlen nun, und viele der Brennereien, die ausschließlich für den Staat produziert haben, werden den Betrieb nun wohl einstellen, vermutet Jochen Horstmann. Denn in diesen Unternehmen, die den Brennerei-Betrieb ursprünglich als Winter-Standbein für die Landwirtschaft aufgebaut hatten, war bislang nach der 72 Stunden dauernden Herstellung des Rohalkohols Produktionsende. Dann kam der Tankwagen.

Nicht so bei Jochen Horstmann. In der Sendenhorster Brennerei wurde bereits seit langem das so genannte Rektifizieren durchgeführt, wie das weitere Destillieren genannt wird. Und anschließend wurde – vereinfacht ausgedrückt – der Alkohol mit dem Zusatz von speziellem Wasser „auf Trinkstärke gebracht“.

Zum Beispiel der „Sendenhorster Korn“, aber auch andere Produkte wie Likör. „Das werden wir weiter tun“, sagt Horstmann. Er werde die Brennerei nicht stilllegen, sondern weiter betreiben. Die Anlage aus dem Jahr 1975 sei gut und könne mindestens noch 30 Jahre betrieben werden. Aber nach dem Wegfall des Staates als Großkunden werde nur noch zehn Wochen im Jahr gebrannt. Die übrigen 42 will Jochen Horstmann dazu nutzen, neue Märkte für seine Produkte zu erschließen.

Und er will sich dabei dem bisher geschlossenen Kreislauf – vom Korn auf dem Acker bis zum Korn in der Flasche – treu bleiben. Das Label „Sendenhorster Korn“ habe er EU-weit schützen lassen, erzählt Horstmann.

Natürlich weiß er, dass das mit den neuen Märkten nicht so einfach ist. Es gilt, neue Netzwerke aufzubauen und Kontakte über die Gastronomie und regionale Märkte hinaus zu knüpfen.

 

Die bisher „kleine Eigenvermarktung“, die es bereits seit 40 Jahren gebe, soll ausgebaut werden. „Schließlich steht die sechste Generation in diesem Familienunternehmen in den Startlöchern“, sagt Horstmann. Der 18-jährige Jens Horstmann ist auf dem Weg zum Destillateur-Meister. Neue Liköre sollen entwickelt werden.

 

Fuß fassen in den Nachbarstädten, Ausbau des Postversands und der Hofladen mit Brennereiführungen sind bei Jochen Horstmann Schlagworte für die Zukunft.

 

Der Hofladen wird derzeit aufgemöbelt, und ein Holzfasslager für Edelschnäpse ist in Planung. Zudem wird die Tenne des Hofes am Alten Postweg für größere Führungen hergerichtet. Aber: „Das dauert seine Zeit“, weiß Horstmann. 40 bis 50 Gruppen besuchen die Brennerei bislang jedes Jahr. Künftig sollen es mehr werden, die die Produkte kennenlernen und vielleicht dauerhaft konsumieren. „Das ist nicht einfach. Aber ich bin ganz guter Dinge“, so Horstmann.

 

Auch weil er auf heimische Qualität setze, und nicht auf zugekauften Billig-Alkohol, den es überall auf der Welt gebe. „Man muss den Unterschied schmecken können“, sagt Horstmann.

 

 

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