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Ein Likörchen vom Löffel gehört dazu...

Sendenhorst/Albersloh. Das Wetter ist so, wie es Auswärtige landläufig im Münsterland erwarten. Es regnet Bindfäden am Samstagmorgen gegen 9 Uhr. Beste Voraussetzungen also für eine ganztägige Radtour, denn „dann staubt es nicht so“, wie ein Radler aus Enniger anmerkt.

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Er hat entsprechend vorgesorgt, denn gemeinsam mit seinen beiden Doppelkopf-Brüdern schlüpft er in die Regenjacken. Andere sind (noch) nicht so mutig: Sie ziehen es vor, diese besondere Radtour im Auto zu begleiten.
 
Doch das sollte sich später ändern, denn Petrus und seine Kollegen hatten schnell ein Einsehen mit der Projektgruppe Tourismus im Stadtmarketing. Denn die hat nur Gutes im Sinn: Sie will auswärtigen Radlern vorstellen, wie sie ein angenehmes und zugleich abwechslungsreiches Wochenende in Sendenhorst und Albersloh verleben können. „Handicap & Körnchen“ zum Beispiel: Das ist der Titel eines der Ausflugsprogramme, das die Arbeitsgruppe entworfen hat.
Das Interesse ist trotz des zunächst miesen Wetters groß. „Wir haben Vertreter von Vereinen und viele Kegelväter- und Mütter aus dem ganzen Kreis Warendorf eingeladen“, erzählt Martina Bäcker, die in der Stadtverwaltung unter anderem für Tourismus zuständig ist – und beim Start am Landhotel Bartmann selbstverständlich mit dem Rad zur Stelle ist. Wie auch rund 40 andere „Multiplikatoren“, wie solche Menschen in der Branche genannt werden. Sie kommen unter anderem aus Ahlen, Enniger, Everswinkel und Vorhelm. Radreiseleiter Clemens Berkemeyer und Mitorganisator Werner Lütke-Verspohl sind zufrieden, dass die Veranstaltung nicht ins Wasser gefallen ist. Denn sie bedurfte im Vorfeld einiger Vorbereitung. So steht für jeden Teilnehmer eine gelbes Fahrrad bereit. Die „Sieben-Gang-Leezen“ hat Werner Lütke-Verspohl eigens von der Radstation in Münster nach Sendenhorst gekarrt.
Nach der Begrüßung geht’s los, und auf dem Weg über schmale Pättkes zum Sendenhorster Kutschenmuseum werden erst einmal alle richtig nass. So richtig stört das aber niemanden, denn wer eine Radtour im Münsterland plant, muss eben damit rechnen, dass es zuweilen auch regnet. Vor allem in diesem „Sommer“.
Die meisten Gäste kennen das Kutschenmuseum von Bernd Höne nicht, liegt es doch recht versteckt im Garten seines Hauses am Teigelkamp. Höne erzählt von seinem Hobby, und die Gäste sind überrascht, welche wertvollen Exponate er im Laufe der Zeit restauriert hat. 1500 Besucher, vor allem in Gruppen, lassen sich diese Präsentation jährlich nicht entgehen.
Aus der Historie seines Gewerbes weiß auch Jochen Horstmann einiges zu erzählen: Die Brennerei am Alten Postweg ist das nächste Ziel der Radler. Seit fünf Generation wird dort Schnaps gebrannt. Und Horstmann ist einer der 15 letzten Direktvermarkter in Deutschland, erzählt der Hausherr, der zudem ausgiebig erläutert, wie aus den wenigen Zutaten das wird, was später aus der Flasche kommt. Nach so viel Theorie darf die Praxis natürlich nicht fehlen. „Darf ich mal die Stachelbeere?“, fragt einer in die Runde. „Wer will noch Zitrone?“, wird aus einer anderen Ecke gefragt. Und auch der „Rote“ kommt gut an, denn „der ist ja gar nicht so süß, wie er aussieht“.
Der Besuch der Brennerei gibt dem einen oder anderen nicht nur innere Wärme, sondern allen auch äußere. Denn der Regen hat sich für diesen Tag von der Gruppe verabschiedet, später scheint sogar ausgiebig die Sonne. Und so wird die Gruppe der Radler kontinuierlich größer, denn Autofahren ist eben doch langweiliger.
Rund 40 Kilometer stehen auf dem Reiseplan von Clemens Berkemeyer. Zunächst führt er die Gruppe von der Brennerei durch Sendenhorster Wohngebiete Richtung Bauerschaft Storp. Die Wege sind gut befahrbar: Auch das will er potenziellen Gästen zeigen. Die Regenjacken verschwinden allmählich in Rucksäcken, Fahrradkörben und Taschen. Auf dem Weg zum nächsten Ziel, der Gaststätte Geschermann in Albersloh wird’s wärmer. Und so kann auch an diesem Tag das erlebt werden, was zum Programm gehört: ein zünftiger Mittagsimbiss im Biergarten der Traditionsgaststätte. Und weil alle aufgegessen haben, spendieren Vater und Sohn Geschermann „einen aus dem Löffel“.
Schmuckstück der Radelregion ist natürlich der WerseRadweg. Auf diesem geht’s durch viel Natur über Rinkerode nach Drensteinfurt. Und von dort durch idyllische Bauerschaften zurück zum Startort, dem Landhotel Bartmann. Doch damit nicht genug der Bewegung: Beim Swin-Golf machen Neulinge schnell die Erfahrung, dass dieser Sport zwar jedem Spaß macht, aber auch, dass es gar nicht so einfach ist, den kleinen gelben oder roten Ball immer richtig zu treffen.
Am Ende sind alle zufrieden und genießen das Grillbüfett auf der sonnigen Terrasse. „Super“ resümiert Maria Avermiddich aus Vorhelm das touristische Angebot, das sie anderen gerne empfehlen werde. Die haben dann allerdings drei Tage Zeit fürs Programm, zwei Übernachtungen inklusive. Und auch Karl-Heinz Tegtmeyer aus Enniger, der mit den Doppelkopf-Partnern dabei ist, ist sich sicher, wiederzukommen. „Das ist schon sehr gut“, genießt er in gemütlicher Runde den Ausklang. An den Regen vom Morgen denkt nun niemand mehr

 
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