100% Münsterland

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Elmar Ries
MÜNSTERLANDIm Münsterländer Korn muss künftig 100 Prozent Münsterland stecken. Sonst darf die Spirituose diesen Namen nicht mehr führen. Das hat Peter Pilz vom Verband deutscher Kornbrenner im Bochum er­klärt.

 

Das Bundesernährungsministerium hat in einer Erklärung für die EU-Kommission vor einiger Zeit zweierlei definiert: Was Korn heißt, darf nur aus Getreide, Hefe, Enzymen und Wasser destilliert werden – und, eben neu: Soll der Brand die geschützte Herkunftsbezeichnung „Münsterland“ auf der Flasche führen, muss der Inhalt im Münsterland gebrannt worden sein, ausschließlich aus Inhaltsstoffen, die in der Region angebaut wurden.
Kompliziertes Europa! Vor sieben Jahren novellierte die EU-Kommission ihre Spirituosenverordnung. In der ist von Inhalten bis zu Reinheitsgeboten so ziemlich alles geregelt, was die Herstellung von Hochprozentigem angeht. Das Problem für den Korn: Er fiel durch das Rost des Regelwerks. Folglich war auch das dort aufgeführte Reinheitsgebot formal passé.
Nur, dass eine Spirituose, die den Namen Korn führen will, in Deutschland, Österreich oder dem deutschsprachigen Teil Belgiens gebrannt worden sein muss, galt auch in der Neufassung. Alles andere sollte na­tional geregelt werden.
Mit einer durchaus nachvollziehbaren Begründung: „Beim Korn handelt es sich ja laut Definition um eine Spezialität aus dem deutschsprachigen Raum, da sollen die entsprechenden Länder mal schön selber bestimmen, was da rein soll und was nicht“, erklärt Pilz.
Der Bund, namentlich das Ernährungsministerium, war also gefordert. Und hat reagiert, indem er erneut ein Reinheitsgebot definiert hat – und darüber hinaus vorschlägt, dass der hiesige Brand die geschützte Herkunftsbezeichnung Münsterländer Korn im Namen tragen darf, wenn er eben ein 100-prozentiger Münsterländer ist. Das letzte Wort hat, wie so oft, auch beim Korn die EU. Deren Kommission muss bis Ende des Jahres entscheiden, ob die sogenannten Lastenhefte aus Berlin den Schnaps-Anforderungen aus Brüssel genügen. Dass das so sein wird, davon darf getrost ausgegangen werden, meint Pilz – sicherlich sehr zur Freude vieler Konsumenten, ganz bestimmt zur Zufriedenheit der Korn-Brennereien, von de­nen es im Münsterland übrigens nur noch eine Handvoll gibt.

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